Wir schätzen das Engagement der Influencerin Ronja Heim, auch bekannt als „Die Kulmbloggera“, die sich für den Erhalt und die Förderung des Kulmbacher Einzelhandels einsetzt. Diese Zielsetzung ist unterstützenswert – das steht außer Frage –, aber das soll nicht Gegenstand dieser Mitteilung sein. Vielmehr wollen und müssen wir uns als politischer Jugendverband zu dem Beitrag äußern, den Frau Heim am vergangenen Sonntag parallel auf ihrer Webseite, Instagram und Facebook veröffentlicht hat. Dieser Beitrag bestand im Wesentlichen aus der Wiedergabe eines Gedichts aus dem Buch „Die Alte Mia“ von Hans Glenk in der Auflage von 1938. Dieses Gedicht transportiert – nicht nur im Subtext – nationalsozialistische Ideologie: Seine offensichtliche Aussage ist, dass Deutscher nur ist, wer Volk und Führer treu sei.

 

Zuallererst ist hier anzumerken, dass wir niemandem, der in diese Situation involviert ist, den Vorsatz unterstellen, diese Gedanken zu teilen oder aktiv verbreiten zu wollen. Dennoch war es ein großer Fehler von Frau Heim, dieses Gedicht, ohne jeden historischen Kontext, zu veröffentlichen. Zwar führt sie an, dass eine geschichtliche Einordnung von jedem*r Leser*in selbst leicht vorgenommen werden könne, erkennt dabei jedoch Wesentliches nicht:

(1) Nicht jede*r hat eine hinreichende historische Bildung, um ein solches Werk ohne Weiteres in den korrekten Kontext setzen zu können. Insbesondere auf der Plattform Instagram, auf der der Post unter Anderem veröffentlicht wurde, besteht ein nicht zu vernachlässigender Teil der Nutzer*innen aus Minderjährigen, die zum Teil noch nicht mal Geschichtsunterricht zum Thema des Nationalsozialismus hatten. Diese hatten (bis zu seiner glücklicherweise erfolgten Löschung) unbegrenzten Zugang zu dem Beitrag von Frau Heim; sie konnten ihn gar unter bei Jugendlichen beliebten Hashtags wie #kulmbach, #kulmbachmeinestadt oder #ku4u finden. Sie wurden durch Frau Heim damit dem völkischen Gedankengut des Texts ohne kritische Anmerkung ausgesetzt.

(2) Laut eigener Aussage war Frau Heim die Problematik des Werks auch völlig bewusst. Sie sah dennoch nicht davon ab, das Gedicht in geradezu beschönigender Weise („Schatz“, „Spruch zum Sonntag“) zu posten. Das übersteigt harmlosen Lokalpatriotismus bei weitem, denn gerade Menschen, die aktiv faschistisches Gedankengut vertreten können diese Verwendung von nationalsozialistischer Literatur in diesem Kontext als Bestätigung ihres Weltbildes sehen. Bei korrekter Einordnung der Themen (etwa „Führertreue“) wird dies offen ersichtlich. Dies zeigt auch die Neuauflage des Buches aus dem Jahre 1979, in der das Gedicht nicht mehr enthalten ist.

(3) Frau Heim ist daher ihrer Verantwortung als Influencerin nicht gerecht geworden. Wir freuen uns zwar, dass sie diese Verantwortung erkennt und in Zukunft besser wahrnehmen möchte. Wir haben jedoch Zweifel, dass ein etwaiger problematischer Text von ihr zukünftig besser gehandhabt würde. Insbesondere schockiert uns ihre Reaktion auf Kritik: „Da kann ich nur hoffen, das [sic!] keine solche Passage mehr kommt.“

(4) Wir sind sprachlos, dass sich die Händler*innenvereinigung „Unser Kulmbach e.V.“ für die Verteidigung dieses Beitrags vor den Karren spannen lässt. So äußerte sich Alexandra Hofmann, man solle „die Kirche im Dorf lassen“. Wenn man bei irgendetwas die „Kirche“ nicht „im Dorf lassen“ sollte, dann bei der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts. Es kann auch nicht im Sinne von „Unser Kulmbach“ sein, sich auf den Social-Media-Kanälen einer wichtigen Influencerin zwischen unkommentierten Nazi-Gedichten wiederzufinden – gerade in der Corona-Krise. Dies wirft ein unverdient schlechtes Licht auf die hart arbeitenden Einzelhändler*innen der Stadt Kulmbach.

(5) Wir möchten nochmals betonen, dass wir die Zielsetzung von „Die Kulmbloggera“ begrüßen, denn der Einsatz von Frau Heim ist vielen Einzelhändler*innen und Gastronom*innen aus der Region eine große Hilfe. Im Hinblick auf diese vergangenen Beiträge war die Veröffentlichung des Gedichts jedoch leider ein schwerwiegender Fehler. Wir hoffen, dass Frau Heim in Zukunft von der erneuten unkommentierten Veröffentlichung derart vorbelasteter Texte absehen wird – nicht zuletzt zugunsten des Kulmbacher Mittelstands, den sie eigentlich durch ihre Blogger-Tätigkeit tatkräftig unterstützt.

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Nationalsozialistisch vorbelastete Posts der Bloggerin „Die Kulmbloggera“

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