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Aug 13 2014

Die Sperrstunde tötet Kultur und bringt Lärm

In letzter Zeit kommt es wieder vermehrt zu Debatten über Sperrstunden für Kneipen und Veranstaltungen in Oberfranken. Dabei wird die Sperrstunde oft als ein schnelles, wirksames und kostengünstiges Mittel angesehen, um vermeintlich vermehrte Störungen der Nachtruhe in den Griff zu bekommen.

Doch die Realität einer Sperrstunde sieht anders aus. „Gerade das Beispiel Bamberg zeigt, dass die Sperrstunde nicht den gewünschten Effekt hat. Vielmehr bewirkt sie das Gegenteil“, merkt Sebastian H. Fischer, Bezirksvorsitzender der Jusos Oberfranken, an.

In Bamberg wurde nach langen Diskussionen 2011 eine Sperrstunde eingeführt. So dürfen unter der Woche Kneipen, Bars und Clubs in der Stadt maximal bis 2 Uhr geöffnet haben. Am Wochenende gilt die Sperrstunde immerhin erst ab 4 Uhr in der Nacht. Man versprach sich davon einen Rückgang nächtlicher Lärmstörungen. Doch die polizeilichen Statistiken verzeichnen seit Einführung der Sperrstunde einen Anstieg gemeldeter Ruhestörungen in der Nacht.

„Das wundert mich nicht,“ sagt Sebastian H. Fischer, „denn wenn um 2 Uhr nachts die gut gefüllten Kneipen, Bars und Clubs alle ihre Gäste auf einmal auf die Straßen setzen müssen, sind auf einen Schlag sehr viele fröhlich und gut gelaunte Menschen in Feierlaune unterwegs! Dass es dabei lauter wird, ist doch einfach nur logisch.“ Neben mehr Lärm durch die Sperrstunde ist vor allem auch die Vielfalt des kulturellen Lebens bedroht.

Durch restriktiven Sperrstunden lohnt es sich für die Betreiber von Clubs oft nicht mehr, neben dem Mainstream auch alternative, junge und oft nicht-kommerzielle Kulturangebote aufrecht zu erhalten. Gerade die alternativen Angebote wurden durch andere Events gegenfinanziert. Doch durch die Sperrstunde wurde selbst das Anbieten von Veranstaltungen im kulturellen Mainstreambereich vor allem unter der Woche zu Verlustgeschäften. Die Zahl an Veranstaltungen und Konzerten, die nicht von der Stadt Bamberg getragen wurden, sind massiv rückläufig. „Die Sperrstunde in Bamberg zeigt“, so Sebastian H. Fischer, „dass es seit ihrer Einführung zu einem Absterben an alternativen Kulturangeboten kommt. So ist es für junge, nicht so bekannte, Künstler_innen aus der Region Oberfranken schwierig noch Auftritte zu bekommen.“

Die Jusos Oberfranken fordern schon länger, dass die bestehenden Sperrstunden abgeschafft werden müssen. Die Sperrstunde bringt keinen Nutzen, sondern bewirkt das Gegenteil. „Die Jusos Oberfranken setzen sich für andere Konzepte ein, um etwaige Probleme mit nächtlicher Ruhestörung entgegenzuwirken. Eins ist jedoch sicher: Die Sperrstunde ist dabei keine Lösung. Die Sperrstunde tötet Kultur und bringt nur mehr Lärm“, bilanziert Sebastian H. Fischer.